Bordeaux/AC St. Estephe

Als Horatius erklärte, „Wein ist Leben“, beschrieb er, ohne es zu ahnen, Saint-Estèphe. Hier werden die Menschen als Winzer geboren und begraben. In Saint-Estèphe besteht eine fast schon intime Verbindung zwischen dem Menschen und seinem Terroir. Hier ist man zunächst einmal Winzer und danach erst Weingutbesitzer und fühlt sich in erster Linie als Weinbauer. Im 19. Jahrhundert breitete sich der Weinbau immer weiter aus und es wurden neue große Weingüter gegründet. Die Expansion beeinträchtigte allerdings nicht die Entwicklung der kleinen Weingüter, da diese in Genossenschaften und ähnlichen Gruppierungen solidarisch organisiert waren. Auf halber Strecke zwischen Bordeaux und der Landspitze Pointe-de-Grave gelegen zeichnet sich Saint-Estèphe durch eine große geologische Vielfalt an Böden und Untergründen aus. Im Osten der Appellation findet sich der berühmte „Saint-Estèphe-Kalk“ maritimen Ursprungs, der von Muschelfossilien durchzogen ist und der Region einen besonderen Charakter verleiht. Im Westen bestehen die leichten, sandigen Böden aus Quarzsand und Kiesel. Ein wenig weiter südlich trifft man dagegen auf Mergelböden. Das Gebiet von Saint-Estèphe ist dank der enormen Flusserosion, die hier vor 10.000 Jahren stattgefunden hat, stark parzelliert. Heute finden sich wunderbare Hügelkuppen mit einem hervorragenden natürlichen Entwässerungssystem. Aufgrund der großen Vielfalt an Untergründen kann nicht von einem wirklich typischen Wein aus Saint-Estèphe gesprochen werden. Die verschiedenen klimatischen Bedingungen und Böden lassen sehr unterschiedliche Weine mit vielfältigen Nuancen entstehen. Die wichtigsten Charaktereigenschaften der Weine aus Saint-Estèphe sind, tanninreich, kräftig und dunkel, die im Alter an Rundheit, Frucht und Finesse gewinnen. Es scheint geradezu, als verbinde sich die Kraft der Jugend im Laufe der Jahre mit der Milde und Weisheit des Alters. Zahllose Weinkenner schätzen diese eigene Persönlichkeit, die mit einem eleganten und komplexen Bouquet bezaubert, das sich jedoch erst im Zeitverlauf allmählich entfaltet.